„Kaufentscheidung nicht vom Ölpreis abhängig machen“

Meldung erstellt am: 26.04.2016

Interview mit Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

Foto: Andreas Schoelzel

Frau Kemfert, bleibt es beim niedrigen Ölpreis?

Zunächst steigt der Ölpreis seit dem historischen Tief um den Jahreswechsel herum ja wieder: Von damals rund 30 Dollar pro Fass auf ungefähr 40 Dollar. Aber auch das ist noch sehr wenig. Zur Erinnerung: 2008 lag der Preis bei fast 150 Dollar. Man versteht aber den massiven Preisverfall der letzten Monate überhaupt nicht, wenn man als Grund dafür den Markt anführt. Es sind nicht Angebot und Nachfrage, sondern politische Entscheidungen der ölproduzierenden Staaten, die den Ölpreis niedrig halten. Einerseits versucht Saudi-Arabien seine Vormachtstellung in der Region gegen einen aufstrebenden Iran zu behaupten. Andererseits wollen die OPEC-Staaten durch billiges Öl den Bestrebungen vieler Volkswirtschaften entgegen wirken, sich mittel- und langfristig von ihnen unabhängig zu machen. So wird etwa durch den niedrigen Ölpreis Fracking unwirtschaftlich. Das hat dann auch zur Folge, dass zum Beispiel die USA dann auch weniger in diesem Bereich investieren werden. Kurz: Mit Öl wird Politik gemacht und kein Geld mehr verdient. Genau aber das können sich die Golfstaaten nicht mehr lange leisten. Der Ölpreis wird wieder steigen.

Inwiefern betrifft das Menschen in Deutschland, die über die Installation einer Solarwärmeanlage nachdenken?

Eine Solarthermie-Anlage ist eine langfristige Investition. Die Kaufentscheidung darüber vom gegenwärtigen Ölpreis abhängig zu machen, wäre demnach falsch. Zudem ist ja dieser niedrige Preis auch ein vergiftetes Geschenk: Er soll uns als Volkswirtschaft im Großen und als Verbraucher im Kleinen daran hindern, in nachhaltige und auch letztlich kostengünstigere Alternativen zum Öl zu investieren. Die Energiewende ist aber längst eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit geworden: Mit Energie nachhaltig und effizient umzugehen, sichert einer Industrienation wie Deutschland auch für kommende Generationen den Wohlstand.

Die Energiewende macht sich also auch im Portmonee eines jeden Einzelnen bemerkbar?

Davon bin ich überzeugt! Wer die Energiewende in den eigenen vier Wänden wagt, wird mittelfristig auch jenseits der Förderprogramme belohnt. Denn auch hier gilt: Ohne Investitionen wächst kein Wohlstand.

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